Drei Talente aus Gera mit drei Bundespreisen – und ein Abschied
Beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ mit 1900 Teilnehmern sind drei Musikerinnen aus Gera und Umgebung sehr erfolgreich. Für eine bedeutet der Wettbewerb Höhepunkt, aber auch Abschied.
Wenn sich der Vorhang hebt, ist es da: das Lampenfieber. Marie Claire Geßner, Maria Alice Mosor und Stella-Ivonne Heiland kennen das Gefühl inzwischen gut – und haben gelernt, es für sich zu nutzen. Mit Erfolg: Beim 63. Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ vom 21. bis 31. Mai in München und Regensburg holten die drei Schülerinnen des Geraer Gymnasiums Rutheneum seit 1608 zwei 2. und einen 3. Preis. Dabei konkurrierten sie mit rund 1.900 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Deutschland und 17 Ländern.
Wettbewerb von 1900 Teilnehmern
Marie Claire Geßner (12. Klasse) und Maria Alice Mosor (13. Klasse) traten als Sopranistinnen im Fach Gesang an, begleitet am Klavier von Christian K. Frank. Stella-Ivonne Heiland (12. Klasse) überzeugte die Jury in Regensburg im Fach Klavier solo. „Es war ein wunderschönes Erlebnis und sehr aufregend“, sagen die Drei übereinstimmend.
„Es hat mich zugleich in meiner Persönlichkeitsentwicklung auf jeden Fall weitergebracht“, versichert Marie Claire. Alice meint: „Ich denke, dass ich aus jeder Phase, angefangen vom Regionalwettbewerb bis zum Bundeswettbewerb, Neues gelernt habe. Sowohl künstlerisch als auch als Persönlichkeit konnte ich vieles mitnehmen, was mir bestimmt auch auf dem Weg meiner weiteren Karriere helfen wird.“
Und Stella-Ivonne verrät: „Auch dieser Wettbewerb hat mir wieder gezeigt, dass auf das Lampenfieber stets Verlass ist.“ Auch sie schätzt die Teilnahme als Erlebnis, das sie definitiv weiterbringe und nicht in Punkten messbar sei – wenngleich die musikalische Leistung mit Punkten bewertet wird.
Lampenfieber in den Auftritt einbinden
Mit Lampenfieber kämpften zweifellos alle, gestehen sie. Dabei sind sie sich einig: Das müsse man nicht bekämpfen, sondern vielmehr in den Auftritt einbinden. „Es muss sein“, betont Alice. „Keines zu haben, würde bedeuten, dass uns gleichgültig ist, was wir abliefern“, findet sie. Rezept der jungen Frauen: atmen, fokussieren – und die Aufregung in Ausdruck verwandeln.
„Viel Arbeits- und Lebensdisziplin“, bescheinigt Sybille Tancke, Leiterin der Musikklassen am Gymnasium Rutheneum, ihren beiden Schützlingen. Die Sopranistinnen werden von ihr im Gesang unterrichtet. „Es sind zwei herausragende Leistungen. Dieses Niveau hat man nicht alle Tage und es macht mir selbst unglaublich viel Spaß, auf diesem hohen Niveau zu arbeiten. Denn damit kann man sich künstlerischen Dingen zuwenden, die im Alltag nicht so selbstverständlich sind. Auch persönlich wächst man zusammen“, so Tancke.
Astrid Steinhöfel, langjährige Klavierlehrerin von Stella-Ivonne, zeigt sich ebenfalls von der Leistung ihrer Schülerin beeindruckt. Schließlich waren 283 Aktive in der Kategorie Klavier solo gestartet. „Stella ist diesen anspruchsvollen Weg mit Entschlossenheit und großer Liebe zur Musik gegangen – neben Schule, Chorproben und Auftritten. Die lange gemeinsame Vorbereitung gestaltet sich mit vielen Höhen, aber natürlich auch Tiefen. Zweifel melden sich, es stagniert mal. Aber durch Stellas ständige Bereitschaft, intensiv an ihrem Programm zu feilen, konnte sie nicht zuletzt dank ihrer Begabung und einer überzeugenden Bühnenpräsenz dieses tolle Ergebnis erreichen.“
Während Marie Claire Geßner aus Kraftsdorf die Musik bewusst als Herzenssache behalten und beruflich andere Wege gehen möchte und Stella-Ivonne Heiland (Bad Köstritz) sich noch alle Türen offenhält, ist für Maria Alice Mosor (Gera) der nächste Schritt schon klar: Mit einem persönlichen Konzert verabschiedet sich die 18-Jährige nun vom Rutheneum. Im Herbst beginnt sie ihr Gesangsstudium an der Anton-Bruckner-Privatuniversität in Linz. „Auf dem Gebiet Karriere zu machen“, sagt sie, „ist mein Ziel.“
Hintergrund
In jährlich wechselnden Bundesländern veranstaltet der Deutsche Musikrat seit 1964 den Bundeswettbewerb, an dem sich musizierende Jugendliche beteiligen, die sich zuvor durch Regional- und dann Landeswettbewerbe qualifiziert haben. „Jugend musiziert“ ist der renommierteste Wettbewerb zur Förderung musikalischer Begabungen in Deutschland. Dieses Jahr nahmen rund 1900 Talente aus ganz Deutschland und aus 17 Nationen der deutschen Schulen im Ausland teil.
