"Die Jugend muss in die Stadt": Debatte um Internat in Gera
Der Förderverein des Rutheneums hält an der Idee für eine neue Unterkunft in der Stadt fest. Warum das einstige Wunsch-Objekt nicht mehr im Fokus steht. Was ein Blick ins derzeitige Internat offenbart.
Ein neues Internat für junge Leute in der Stadt Gera - dies ist immer noch der dringende Wunsch des Fördervereins Gymnasium Rutheneum Gera. Dafür ein Gebäude des Hofgutes in Gera Untermhaus zu ertüchtigen, diese Idee hat er jedoch ad acta gelegt. Mit dem Slogan „Campus top, Internat Flop“ drängte der Verein vielfach in den vergangenen Jahren auf eine Lösung für eine moderne Unterkunft. „Mit diesem Vorschlag kommen wir jedoch nicht weiter. Zudem finden Kritiker, dieser Standort wäre ebenfalls zu weit weg vom Stadtzentrum“, erklärt Vereinsvorsitzende Katharina Trautmann.
Bevor der Verein jedoch nach einer Alternative Ausschau hält, möchte er ausloten, wie groß aktuell der Bedarf für solch ein Objekt wäre. Der Studentenförderverein, die Handwerkskammer Ostthüringen in Gera und viele weitere Partner sollen gesucht werden. Der Fokus der Bemühungen liegt auf der Gemeinsamkeit mit der Stadt und auf einem zentralen Standort. „Die Jugend muss in die Stadt“, so Trautmann.
Geraer Internat verfügt über 144 Plätze
Den jüngsten Tag der offenen Tür im Internat der Stadt Gera in Bieblach-Ost haben Mitglieder des Vereinsvorstandes Fördervereins die Chance genutzt, um sich noch einmal einen Eindruck von diesem Haus aus dem Baujahr 1988/89 zu verschaffen. Derzeit verfügt es über 144 Plätze. Es wird von jungen Leuten aus Berufsschulen in der Stadt, Schülern der Musikspezialklassen des Gymnasiums Rutheneum seit 1608, zuzüglich Studenten der Dualen Hochschule Gera-Eisenach genutzt.
Die jungen Leute wohnen vorrangig in Zweibett-Zimmern. Auf jeder Etage gibt es eine moderne Einbauküche und wohnlich gestaltete Aufenthaltsräume. Das Internat verfügt über einen neuen Sportraum mit Fitnessgeräten und einen Freizeitraum mit Tischtennisplatte sowie über Musikzimmer für Schüler der Musikspezialklassen.
Gemeinschaftsduschen als Kontrastprogramm
Kontrastprogramm sind allerdings Gemeinschaftsduschräume, die vielfach an die 1960er Jahre erinnern. „In unserem Gymnasium haben wir sozusagen Luxus. Und dann sehen die Eltern und Schüler diese Räume, wo jegliche Privatsphäre fehlt und die einer LPG-Dusche ähneln“, zeigt sich Michael Doller erschrocken über den Bauzustand.
Als Aktiver im Bundeselternrat habe er bereits viele Internate im ganzen Land gesehen. Er habe nirgends, ganz gleich ob in Brandenburg, Niedersachsen oder anderswo, einen solch großen Sanierungsrückstau wie im Geraer Internat gesehen. „So etwas bietet man heutzutage nicht mehr an“, sagt er entschieden. Der dringende Handlungsbedarf liege auf der Hand und man habe das schon mehrfach angesprochen.
Auch wenn sich in erster Linie der Förderverein des Rutheneum für ein neues Domizil stark macht, hat er keinesfalls nur die Kinder und Jugendlichen des Gymnasiums im Blick. „Es geht um alle jungen Leute, die in der Stadt eine Internatsunterkunft benötigen. Sie sollte zeitgemäß sein und zentral liegen. Hier in Bieblach-Ost gibt es kaum noch Infrastruktur, das Kaufland hat geschlossen. Zum Einkaufen müssen die Kinder und Jugendlichen nun erst einmal mit der Straßenbahn fahren. Aber wie heißt es: kurze Beine, kurze Wege“, sagt Michael Doller. Weitere Kritikpunkte des Fördervereins am jetzigen Internat: Das Gebäude ist weder barrierefrei noch energetisch saniert.
Keine Frage: Mit einem attraktiveren Wohnangebot in einem belebten Umfeld könnte es der Stadt gelingen, generell mehr junge Menschen in Ausbildung anzulocken.
