Vom Musikertraum zum Busfahrer – Yannick Albert und sein Weg auf Geras Straßen
Wenn Lehrer sagen: „Es reicht nicht“. Yannick Albert, 21 Jahre alt und aus Gera, hätte eine Karriere als Musiker einschlagen können. Warum sich der ehemalige Musikspezialschüler des Campus Rutheneums für einen anderen Weg entschied.
Yannick Albert ist 21 Jahre jung und ein leidenschaftlicher Sänger. Er könnte sicherlich gutes Geld mit seiner Stimme verdienen, doch der junge Mann aus Gera hat sich für den Job des Busfahrers entschieden.
Lehrer sagen, es reiche nicht für eine Musikerkarriere
Er war einer der besten seines Jahrgangs. Yannick Albert besitzt ein relatives Gehör – ein ausgezeichnetes Werkzeug für eine Musikerkarriere. „Relativ bedeutet, dass ich auf Basis eines gelernten Tones, eines Referenztones, alle anderen erkennen und bestimmen kann“, erklärt er.
Yannick Albert besucht die Musikspezialklassen am Campus Rutheneum Gera. „Ab der fünften Klasse war ich am Gymnasium, mit dem Ziel, in der neunten in die Spezialklassen zu wechseln. Ich wollte etwas Musikalisches machen, was genau, wusste ich damals noch nicht.“
Bereits in der Grundschule lernt er Melodika, gefolgt vom Akkordeon. Ab der fünften Klasse kommt das Keyboard hinzu. In der Neunten die Pflicht: Klavier. Bis zu diesem Zeitpunkt ist er felsenfest der Meinung, beruflich in Richtung Musik gehen zu wollen. Er entwickelte eine Präferenz: „Ich wollte im Orchestergraben eines Musicals sitzen. Doch mir wurde während der Schulzeit mitgeteilt, dass ich dafür nicht gut genug sei und mein Können nicht ausreiche. Ich hätte mit drei, vier Jahren mit Klavierspielen anfangen müssen, um im Orchestergraben Platz nehmen zu können – wurde mir gesagt.“
Plan B: Ein handfester Job
Geerdet von den Lehrern überlegt er sich einen Plan B. „Bereits in der zehnten Klasse legte ich mich somit auf einen praktischen Beruf fest“, schildert er seinen Werdegang.
In Yannicks Schullaufplan platzt außerdem Corona. „Aufgrund des Distanzunterrichts habe ich nicht mehr so viel Ehrgeiz gehabt und dadurch fehlten mir Grundlagen für die Oberstufe. Es war eine schwere Zeit.“
Nach und nach festigte sich der Gedanke, eine Ausbildung im Nahverkehr zu beginnen. „Meine Oma ist früher mit mir viel Bus und Bahn gefahren, das hat mir so viel Spaß gemacht. Irgendwann fiel mir ein Freundebuch wieder in die Hände und da stand bei Berufswunsch: Busfahrer.“
Während seiner Schulzeit hospitiert er als Schülerpraktikant im Musikhaus Schlegel und beim Geraer Verkehrsbetrieb (GVB). „Ich lernte die Abläufe kennen, was es alles braucht, um Busse fahren zu können. Dieses Praktikum entfachte final meine Leidenschaft.“
Seit drei Jahren auf Geras Straßen unterwegs
Nach dem Abitur schreibt Yannick Albert nur eine Bewerbung – an den GVB. „Ich hatte kurz überlegt, weitere Bewerbungen in anderen, größeren Städten zu schreiben. Ich dachte, dort gäbe es mehr Abwechslung im Fahrbetrieb. Doch am Ende wollte ich in Gera bleiben, hier hatte ich eine Wohnung und es ist mein Zuhause, in dem ich mich auskenne.“
Direkt nach dem Abitur beginnt er seine Ausbildung. Aktuell befindet er sich im dritten Lehrjahr. Die Übernahme sei sicher, wenn er die Prüfungen bestehe. Gemeinsam mit ihm lassen sich elf weitere junge Menschen zur Fachkraft im Fahrbetrieb ausbilden. „Pro Lehrjahr nehmen wir bis zu vier Azubis an. Wir brauchen den Nachwuchs für unsere normalen Rentenabgänge“, sagt Ausbilder beim GVB Maik Beer.
Seine erste Tour mit dem Bus bringt ihn nach Altenburg. „Es ist wie bei der Fahrschule: Kurze Einweisung und dann geht es auf die Straße. Wer Autos fahren kann, kann auch Busse lenken“, weiß der Ausbilder.
Ein Job mit Verantwortung
Auf die Frage, welches Verkehrsmittel Yannick Albert bevorzuge, antwortet er: Straßenbahn, denn die Technik fasziniere ihn. „Es ist ein Verkehrssystem, eine Infrastruktur, für sich. Die Verkehrssituationen sind schwieriger als beim Bus, da die Bahn beispielsweise einen längeren Bremsweg hat. Viel früher muss ich Verkehrssituationen richtig einschätzen. Zudem trage ich die Verantwortung für bis zu 200 Menschen.“
Verantwortung trägt er auch, wenn er jeden Donnerstag, von April bis November, die Verkehrserziehung der Vorschulkinder oder Grundschüler übernimmt. „Wir wollen mit diesem Angebot den Kindern die Angst vor dem Bus nehmen“, erklärt Yannick. „Es wird rege genutzt von den Einrichtungen der Stadt. Es kommt mitunter vor, dass wir in der Saison Gruppen absagen müssen, da alle Termine bereits belegt sind“, macht Maik Beer darauf aufmerksam, rechtzeitig eine Anfrage zu stellen.
Wer sich wie Yannick Albert mit den Gedanken trägt, die Busse und Bahnen der Stadt Gera zu bewegen und Menschen von A nach B zu chauffieren, der kann sich noch für das neue Ausbildungsjahr bewerben. Neben drei Mädchen sind auch zwei Ukrainer und ein Syrer in der Lehre.
Übrigens ganz und gar hat Yannick Albert das Singen nicht aufgegeben. Im Bus wird man ihn zwar nicht singen hören, denn da hat die Sicherheit oberste Priorität, aber im „Voces 1608“ und im Chor der Ehemaligen des Campus Rutheneums „Voc alumni“.
